Using the so-called "refugee crisis" to learn new languages or improve your existing knowledge of languages

I have been working as a volunteer with refugees for more than a year now, amongst other things offering German lessons and helping the people who have come to Austria cope with our red tape etc.

This has not only been a unique opportunity to meet some truly outstanding people, but it has also drastically boosted my Arabic. I had studied MSA before and I keep using it with all the Arabic speaking refugees without ever having encountered any problems (some people argue MSA is useless for communication).

Of course, Arabs usually speak in their national/local dialects when talking to each other and I have meanwhile picked up enough of Levantine Arabic to get by but I usually use a mix of MSA and dialect or just speak in MSA only.

I’ve also started studying Farsi/Dari (since we have a lot of people from Afghanistan). I see tremendous progress thanks to almost daily exposure to these languages.

Due to the fact that many refugees also speak Turkish quite well, I even get a chance to brush up on my Turkish.

Has anybody had similar experiences? As for me, this so-called “crisis” has mostly brought enormous benefits on an interpersonal level and it certainly has also helped me with my language studies.

Last year I spent one month in Oman and this year I’ll be going to Jordan (Amman) for a month, visiting friends and taking Arabic classes. This time not in MSA but in the local dialect. Really looking forward to it :slight_smile:

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Robert, I’m beginning to think you are a true language genius!

I know what you mean. He has found a way to practice his languages and help people at the same time without even leaving Styria.

Ein Genie bin ich sicher nicht, aber meine Leidenschaft für das Erlernen von Sprachen ist ungebrochen. Es ist auch tatsächlich so, dass ich in den vergangenen 14 Monaten unheimlich viele bewegende, aber auch bedrückende Momente erlebt habe. Auch auf die Gefahr hin, dass es übertrieben klingen mag, aber diese Monate haben mich sicherlich als Mensch ein Stück verändert.

Ich habe Dinge gesehen, von denen ich nie im Traum erwartet hätte, dass ich sie im 21. Jahrhundert in meiner Heimat miterleben würde. Im Oktober vergangenen Jahres sind 80 Meter vor meiner Haustüre buchstäblich tausende Menschen (auch viele Frauen und Kinder) vorbeigezogen. Menschen auf der Flucht, die alles verloren hatten…das glich schon beinahe einem biblischen Bild, einer Art von Exodus. Ich werde diesen Anblick und den Anblick der Menschen, die an unseren Grenzen wie in Käfigen zu tausenden zusammengepfercht standen und lagen, anfangs oft ohne Decken auf dem kalten Asphaltboden, nicht aus meinem Kopf bekommen.

Ich habe in den Erstauffangslagern, in den Transitlagern und in den Flüchtlingsheimen gesehen, welche Wirkung einige wenige Sätze in der Muttersprache der Menschen entfalten können. Wenn mir selbst am meisten zu weinen zumute war, haben mir die Menschen, vor allem Kinder, ein Lächeln geschenkt.

Mir geht es hier nicht um politische Fragen, in politische Diskussionen will ich mich zu diesem Thema gar nicht mehr einlassen, das möge jeder halten wie er will. Mir geht es um die rein menschliche Frage und auch darum, was es für einen Menschen, der fern seiner Heimat in einer ausgesprochenen Ausnahmesituation ist, bedeuten kann, wenn ihn jemand in seiner Sprache anspricht, der keine Uniform trägt und vor dem er sich (hoffentlich) nicht fürchtet.

Ich habe monatelang an der Grenze in Spielfeld gearbeitet, oft nach meiner Arbeit in der Nachtschicht (von 20 Uhr bis 8 Uhr früh des nächsten Tages) und manchmal meine Sprachkenntnisse verflucht, weil ich den Menschen auf Arabisch Dinge sagen musste, die mir aufgetragen wurden und die ich ihnen gerne nicht gesagt hätte, und manchmal war ich unglaublich dankbar dafür, dass ich ihnen doch das eine oder andere Mal ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit vermitteln konnte.

Diese Erfahrungen sind, auch sprachlich, einzigartig. Es gibt für mich kaum eine größere Motivation, eine Sprache zu lernen, als die, direkt mit anderen Menschen zu kommunizieren. Ich habe Deutschkurse auf Arabisch und Russisch gegeben und dabei gleichzeitig meine eigenen Sprachkenntnisse verbessert. Bei Farsi und Türkisch bin ich noch ziemlich am Anfang, aber ich sehe die Fortschritte und kann mich zumindest einigermaßen vernünftig mit den Leuten über einfache Dinge des Alltags in diesen Sprachen unterhalten.

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That’s pretty neat! You get the experience of helping people while them helping with your hobby.

I should try this as well. Our city here has been a haven for people from the former USSR, and we’ve been getting refugees from Eastern Ukraine.

How do you conduct your conversations? My conversational abilities aren’t the best, but I’m curious how you practice.

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Hi, you definitely should give it a try, it is a very rewarding experience, on all levels. I teach German in Arabic and Russian for beginners, but I also try to speak as much German as possible right from the beginning with them. However, those who have no knowledge of German whatsoever find it easier to follow my classes when I speak a bit of Arabic and/or Russian as well.

I typically spend about 10 - 15 hours a week with the refugees as a volunteer (it used to be up to 20 hours). I visit them at the refugee homes, invite them over to my place, accompany them to doctors etc.

So, the conversations I have with them mostly are in one way or another related to the things I mentioned above.

But we also play football together (I suck at football compared to them ;-)), so I try to learn words I can use when doing sports with them and, of course, I also try to teach them these words in German.

Sometimes we just sit together and they tell me what their life was like at home. So, you get many different types of vocabulary input.

First I tried to get a basic understanding of the language, with about 1,000 - 1,500 words under my belt. After that I did a LOT of listening and I still do. I also read a lot. I bought a few books with the 4,000 - 5,000 most common words listed, including example sentences (some sort of frequency list).

I put together my own lists of words because I now know what the words are that I’ll need most when I talk to my students.

It is a very natural process of acquiring vocabulary. The best part about this is that I’m not only building my vocabulary but also friendships.

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Ich habe selbst fast nichts von der Flüchtlingskrise gesehen. Ich war oft in Westbahnhof und habe eine Menge Flüchtlinge gesehen, aber es war nie so chaotisch als es in den Nachrichten ausgesehen hat. Alle Geschäfte waren offen und man konnte herumspazieren, ohne zu fürchten, dass etwas schlimmes passieren würde. Der einzige Unterschied lag darin, dass es eine Menge Leute gab, die ein bisschen anders ausgesehen hat, und sicher haben sie viel besser ausgesehen, als ich in ihrer Situation hätte.

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Diese grauenhaften Geschichten über Plünderungen von Geschäften und sonstige Übergriffe waren alle erstunken und erlogen und wurden ganz bewusst von gewissen Gruppen in die Welt gesetzt. Dass es unter den vielen Menschen, die zu uns gekommen sind, auch einige gibt, die nichts Gutes im Schilde führen, ist auch klar. Dafür haben wir einen Rechtsstaat, der darauf entsprechend reagieren muss, mit rascher und konsequenter Strafverfolgung. Das steht völlig außer Zweifel.

Die Leute, die mit dem Zug gekommen sind, waren meist noch in einem relativ guten Zustand. Ich habe viele Menschen gesehen, die direkt über die so genannte Balkanroute bis an unsere Grenze in Spielfeld gekommen sind, nach wochenlangen Fußmärschen. Die Menschen mussten dabei oft tagelang in Lagern verharren, in denen es keine Waschmöglichkeiten oder sonstige Sanitäranlagen gab. Ohne die Hilfe von Freiwilligen (wir haben zum Höhepunkt des Zustroms von Menschen täglich bis zu 15.000 Personen in Spielfeld mit Essen und Kleidung versorgt, ohne staatliche Hilfe) wäre das System völlig zusammengebrochen.

Wie gesagt, es kommt unter derart außergewöhnlichen Zuständen natürlich manchmal zu Schwierigkeiten und einzelne Flüchtlinge begehen tatsächlich Straftaten, aber das rechtfertigt in keiner Weise, die unglaubliche Hetze, die zum Teil betrieben wird. Jedenfalls war ich oft unter hunderten Flüchtlingen alleine und mir ist nie etwas geschehen.

Ich bin erst gestern wieder von einer Flüchtlingsunterkunft zurückgekommen, wo ich mit meinen Freunden Iftar (das muslimische Fastenbrechen) gefeiert habe. Das sind immer besonders schöne Momente, abgesehen davon, dass die Leute einfach hervorragend kochen :slight_smile:

Ich habe mich nie auch nur eine Sekunde vor den Menschen gefürchtet und lasse mir eine solche Furcht auch von niemandem einreden. Gefährlich sind Fanatiker, die es in allen Gruppierungen gibt, und sonstige Gewalttäter. Davon auszugehen, dass alle Flüchtlinge zu diesen Menschen zählen, ist jedenfalls Schwachsinn. So, jetzt ist dieser Eintrag doch noch ein bisschen (gesellschafts-)politisch geworden.

Viele der Flüchtlinge helfen mir auch beim Üben meiner Sprachen. Einige haben für mich sogar Tonaufnahmen gemacht, das heißt, sie haben für mich Texte gesprochen, die ich mir jetzt als MP3-Dateien anhören kann. Wir machen das so, dass beide Seiten davon profitieren. Ich spreche Texte auf Deutsch und sie sprechen die arabischen Übersetzungen für mich. Die Texte verfassen wir gemeinsam.

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“…Ich habe Dinge gesehen, von denen ich nie im Traum erwartet hätte, dass ich sie im 21. Jahrhundert in meiner Heimat miterleben würde. Im Oktober vergangenen Jahres sind 80 Meter vor meiner Haustüre buchstäblich tausende Menschen (auch viele Frauen und Kinder) vorbeigezogen. Menschen auf der Flucht, die alles verloren hatten…das glich schon beinahe einem biblischen Bild, einer Art von Exodus…”

Ich denke, jeder von uns hat diese traurigen Bilder in den Medien gesehen. Aber dass sich so etwas direkt vor der Haustür abläuft ist fast unvorstellbar! Ich kann nur sagen, ich finde es wirklich toll, dass du dich für diesen armen Menschen eingesetzt hast.

Eine Frage: hast du den Eindruck, dass diese Leute (bzw ein erheblicher Teil davon) langfristig vorhat in Österreich zu bleiben? Oder ist es eher eine Art von Transit-Lager auf dem Weg nach Deutschland? Gibt es überhaupt einen Plan? Werden die vielleicht in den verschiedenen Ländern der EU verteilt?

Wichtig ist in erster Linie die Leute, die in Not sind, zu helfen - das ist klar. Aber diese Situation wirft schon manche schwierige Fragen auf - meiner Meinung nach. Können sie sich snell (oder überhaupt) in unsere Gesellschaft integrieren? Haben viele von ihnen eine andere Einstellung, etwa was Frauen und schwule Leute betrifft? Und muss man nun tausende von neuen Wohnungen und Schulen bauen?

Es könnte sowohl positive als auch negative Wirkungen haben, denke ich. Aber Probleme wird es schon geben. Bereits sehen wir, wie die Rechtsradikale Parteien in Österreich durch diese situation verstärkt werden. Egal ob das zurecht oder zu unrecht passiert - es ist halt so. (Und nicht nur in Österreich…)

Obwohl ich in einer unvergleichlich besseren Situation bin als die Menschen, die zu uns geflüchtet sind, haben mich diese Ereignisse schon sehr mitgenommen. Ich war oft äußerst bedrückt und auch unglaublich traurig, aber gleichzeitig habe ich wunderbare Dinge erlebt. Es gab und gibt noch immer ein Ausmaß an Hilfsbereitschaft, das ich mir nie erwartet hätte.

Menschen haben Flüchtlinge vorübergehend in ihre Wohnungen und Häuser aufgenommen, um sie mit Essen und Kleidung zu versorgen, um ihnen Waschmöglichkeiten zu bieten. Es gingen und gehen noch immer viele Spenden ein, viele Freiwillige verbringen viel Zeit mit Flüchtlingen.

Ich glaube schon, dass die meisten längerfristig hier bleiben wollen, allen wird das aber wohl nicht gelingen. Es wird Enttäuschungen geben, auf beiden Seiten, und es wird - hoffentlich - auch in absehbarer Zeit die Möglichkeit zur Rückkehr für alle jene Menschen geben, die das wollen.

Dass Österreich eine Art Zwischenstation auf dem Weg nach Deutschland ist, glaube ich nicht. Jene, die hier sind und einen Antrag gestellt haben, werden sicher zum Großteil hier bleiben. Wir haben in der Zwischenzeit rund 120.000 Menschen aufgenommen. Das ist für ein kleines Land wie Österreich, vor allem gemessen an den Zahlen in anderen Ländern, sehr viel.

Ich befürchte, die EU wird es nicht schaffen, die Menschen fair auf alle Mitgliedsländer aufzuteilen. Das liegt auch insbesondere an der äußerst unkooperativen und egoistischen Vorgangsweise der osteuropäischen Länder. Deren Verhalten finde ich zutiefst enttäuschend und oft auch menschenverachtend.

Wenn man bedenkt, wie viele Osteuropäer, die in einer weitaus besseren Situation waren als die Flüchtlinge aus den Krisengebieten, die jetzt zu uns kommen, in den Westen gezogen sind (man denke nur an die vielen Polen im UK), dann finde ich es unglaublich beschämend, wie im Osten gegen Flüchtlinge gehetzt wird und sich kaum jemand aus der Zivilgesellschaft (obwohl es auch positive Ausnahmen gibt) für diese Menschen einsetzt.

Natürlich ist die Aufnahme von so vielen Menschen in so kurzer Zeit eine Herausforderung. Wer aber soll eine solche Herausforderung annehmen können, wenn nicht der reichste Kontinent dieser Welt? Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass über 80 % der Flüchtlinge nicht in Europa gelandet sind.

Der Libanon ist so groß wie Oberösterreich, eines unserer neun Bundesländer, und hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als die gesamte EU mit ca. 500 Millionen Einwohnern (ich rechne das UK noch mit ;-)).

Ich habe bisher großteils nur positive Erfahrungen gemacht, was die Integrationsbereitschaft der Menschen anbelangt. Aber es gibt sicherlich auch Problemfälle. Grundsätzlich gilt es, klarzustellen, dass unsere Gesetze eingehalten werden müssen, das wird auch von den wenigsten in Frage gestellt. Es spießt sich manchmal an religiösen Überzeugungen, aber auch hier habe ich bisher keine unüberwindbaren Probleme festgestellt.

Ich spreche nicht von religiösen Fanatikern, wie den Salafisten, die man meiner Meinung nach schon längst verbieten hätte müssen. Es geht um kleinere Fragen im alltäglichen Umgang miteinander (Händeschütteln zur Begrüßung, Kopftücher etc.). Grundsätzlich lassen sich meiner Erfahrung nach diese Probleme sehr leicht lösen.

Wir haben Wohnungen, viele stehen leer. Manches wird neu gebaut werden mĂĽssen und das wird unsere Wirtschaft ankurbeln.

Viele Leute vergessen, dass das Geld, das jetzt für Flüchtlinge ausgegeben wird, auch eine Investition in unsere Wirtschaft ist. Die Menschen geben das Geld, das sie vom Staat bekommen, in österreichischen Geschäften aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Mieten für die Unterkünfte werden an österreichische Vermieter bezahlt. Es werden Deutschlehrer eingestellt, viele Menschen haben Arbeit, weil die Flüchtlinge hier sind. Das Geld verpufft nicht einfach. Abgesehen davon, dass man Menschenleben ohnehin nicht mit Geld bewerten kann.

Was gewisse gesellschaftliche Einstellungen anbelangt, so spreche ich diese beispielsweise immer in meinen Deutschkursen an. Wir sprechen über Religionsfreiheit, ich sage den Menschen auch, dass ich nicht religiös bin, wir diskutieren über die Trennung zwischen Staat und Religion, über die Stellung der Frau und über Homosexualität.

Ich bin bisher damit noch nie auf völliges Unverständnis gestoßen. Dass es einer Phase der Anpassung bedarf, ist klar. Alle meine Kursteilnehmer wissen nach einer gewissen Zeit (ich sage das nicht gleich bei der ersten Begegnung), dass ich mit meinem Freund zusammenlebe. Viele von ihnen waren bei uns schon zu Besuch, mein Freund und ich sind oft bei ihnen in den Unterkünften eingeladen.

Es gibt manche, die sagen, dass es auf Grund ihrer religiösen Überzeugung nicht dem entspricht, was Gott möchte, aber das sagen auch viele Christen und Juden. Gleichzeitig haben auch diese Leute mir gegenüber niemals den gebotenen Respekt vermissen lassen. Mit vielen kann ich auch durchaus Scherze darüber machen.

Zweifelsohne wird es in Einzelfällen immer wieder zu Schwierigkeiten kommen, aber wir haben es nicht mit einer homogenen Masse an gesellschaftlich völlig rückständigen Menschen zu tun. Vor allem unter den Arabern sind viele sehr offene und gebildete Menschen dabei. Bei den Afghanen merkt man manchmal, dass sie aus einer noch viel patriarchalischeren Gesellschaft kommen, aber auch unter ihnen ist die Mehrheit willens, sich auf ein neues Leben einzulassen.

Es wird auch davon abhängen, inwieweit es uns gelingt, gewisse Regeln und deren Einhaltung verständlich zu machen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie hier eine Chance haben, sich ein neues Leben aufzubauen.

Der Zulauf zu den rechtsgerichteten Parteien und rechtsradikalen (teilweise auch illegalen) Gruppierungen ist leider deutlich spürbar. Das wird sicher noch ein Problem werden. Ich wurde auch schon mehrmals persönlich bedroht. Diese Gruppierungen kommen zu unseren Veranstaltungen, machen Fotos von uns, erstellen so genannte “schwarze Listen” von Flüchtlingshelfern, die in ihren Augen “Vaterlandsverräter” sind usw.

Dennoch gibt es eine ungeheure Hilfsbereitschaft, die ich so nicht für möglich gehalten hätte. Wir haben letztendlich auch keine andere Wahl. Es stellt sich gar nicht die Frage, ob ich möchte, dass diese Menschen hier sind. Sie sind hier und das ist ein Faktum. Wir haben auch logistisch gar nicht die Möglichkeit, eine derart große Anzahl von Flüchtlingen zu “deportieren”. Abgesehen davon, dass das niemals ohne große gesellschaftliche Unruhen vonstatten gehen würde.

Der Krieg muss endlich beendet werden, wir dürfen die Nachbarländer in den Krisengebieten (den Libanon, Jordanien etc.) nicht mehr so kläglich im Stich lassen, wir müssen mit den Waffenlieferungen aufhören, die geopolitischen Interventionen im Nahen Osten müssen ein Ende haben.

Kein Mensch verlässt gerne seine Heimat. Wenn ich mit den Menschen spreche, dann sehe ich manchmal die Trauer in ihren Augen. Sie haben nicht nur Grund und Boden verloren, sondern wurden buchstäblich entwurzelt. Es ist unglaublich schwer für sie, emotional Anbindung zu finden. Sie haben ihre gewohnte Umgebung, ihre Sprache, ihre Gestik verloren, sind auf eine Existenz von “Geduldeten” reduziert, werden oft nur mehr unter dem allgemeinen Etikett des “Flüchtlings” summiert, so als ob man ihre ganze bisherige persönliche Biographie mit einem Streich ausgelöscht hätte.

Ihr fortgesetztes Leid ist ein Warn- und Weckruf, in erster Linie jedenfalls eine groĂźe Verantwortung fĂĽr uns. Wenn wir ihnen helfen, handeln wir auch in unserem eigenen Interesse.

Klar ist auch, dass die Menschen, die zu uns kommen, rechtsstaatliche Prinzipien einhalten müssen, das fordern wir von allen. Bisher hat es diesbezüglich keine Probleme gegeben, die über traurige Einzelfälle hinausgehen. Wir haben beispielsweise um ein Vielfaches mehr Schwierigkeiten mit kriminellen Gruppierungen aus Osteuropa. Aber darüber spricht man weniger, weil sie keine Muslime sind …

Tut mir leid, dass dieser Beitrag wieder so lang geworden ist, aber ich hoffe, er dient dir wenigstens als gute Ăśbung fĂĽr dein Deutsch, das entgegen deiner Ansicht noch immer hervorragend ist.

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Zur Integrationsbereitschaft ein Link: Jobmesse fĂĽr FlĂĽchtlinge | Um FlĂĽchtlinge dabei zu unterstĂĽtzen, einen Job zu finden, haben zwei junge Menschen eine Berufsmesse organisiert. Stattgefunden hat sie heute in Wien.... | By Zeit im Bild | Facebook

Du siehst dort ein Video ĂĽber eine Berufsmesse fĂĽr FlĂĽchtlinge, die von zwei jungen Ă–sterreichern auf die Beine gestellt wurde. Der Andrang war enorm. Die Bereitschaft der Menschen, etwas aus ihrem Leben zu machen, ist groĂź.

“…Tut mir leid, dass dieser Beitrag wieder so lang geworden ist, aber ich hoffe, er dient dir wenigstens als gute Übung für dein Deutsch, das entgegen deiner Ansicht noch immer hervorragend ist…”

Es ist immer ein Vergnügen, deine Beträge zu lesen :slight_smile:

Danke. Bin gerade ziemlich zerknirscht, weil unsere Bundespräsidentenwahl wiederholt werden muss. Unfassbar! Manchmal denke ich, ich lebe in einer Bananenrepublik. Die Wahlbeisitzer haben so viele Fehler gemacht, dass unser Verfassungsgerichtshof entschieden hat, dass die “Möglichkeit einer Wahlmanipulation” bestanden hätte, obwohl keine einzige Manipulation nachgewiesen, ja nicht einmal vermutet wurde.

Man müsste, weil die beanstandete Vorgangsweise bei jeder bisherigen Wahl gleich war, theoretisch alle vorhergehenden Wahlen für ungültig erklären. Aber, wo kein Kläger, da kein Richter.

Jetzt haben wir wieder einen Wahlkampf, der sicher grauslich wird. Ich hoffe nur, der FPĂ–-Kandidat gewinnt nicht. Das wĂĽrde mich wirklich erschĂĽttern.

Mal sehen, wie die Wahl ausgeht. Wenigstens scheint heute die Sonne und das ist ein Grund zur Freude :slight_smile:

“Der Zulauf zu den rechtsgerichteten Parteien und rechtsradikalen (teilweise auch illegalen) Gruppierungen ist leider deutlich spürbar. Das wird sicher noch ein Problem werden.”

…und es ist heute vielleicht schlimmer geworden.

Deine Meinung nach, was würde passieren, wäre Hofer President? Wie ich es verstehe, hat der President offiziell keine Macht.

Es geht hier vorwiegend um einen Prestige-Sieg, eine ungeheure Propagandamaschine würde zu laufen beginnen. Der Präsident hat grundsätzlich nicht so viel Macht wie in anderen Ländern, aber es gibt Bestimmungen in unserer Verfassung, die zwar bisher noch nie genutzt wurden, die aber Hofer, so wie er dies bereits mehrmals angekündigt hat, durchaus für sich und seine Partei einsetzen könnte.

Der Präsident kann die Regierung entlassen. Das ist bisher noch nie geschehen, aber er kann es tun. Hofer hat mehrmals damit gedroht, dass er die Regierung entlassen würde, wenn sie “seiner Meinung nach” eine falsche Flüchtlingspolitik betreiben und dem “österreichischen Volk” schaden würde.

Es käme dann unweigerlich zu Neuwahlen.

Hofer könnte dann eine ihm genehme Regierung angeloben, wobei er die SPÖ wohl nicht in seine Überlegungen einbezogen hat. Die Schwarzen (ÖVP) würden, vor allem angesichts von Leuten wie Lopatka, der uns schon die ersten beiden Schwarz-Blauen-Koalitionen eingebrockt hat, sofort mit den Blauen koalieren.

Allen Umfragen zufolge würden die Blauen wohl als stärkste Partei aus den nächsten Wahlen hervorgehen, sie könnten aber nicht alleine regieren. Ich hoffe, dass die SPÖ unter Kern an Stimmen zulegen kann.

Sollten wir dann wirklich einen blauen Präsidenten und einen blauen Kanzler haben, dann hätte das dramatische Auswirkungen auf das Gesellschaftsklima, auf unser Sozialsystem, unsere Wirtschaft (sowohl in der ÖVP als auch in der FPÖ sind die neoliberalen Wirtschaftskräfte sehr stark).

Einzige Zerreißprobe für eine Koalition zwischen der FPÖ und der ÖVP wäre die EU-Feindlichkeit der FPÖ. Die ÖVP ließe sich aber auch da wohl aus machtpolitischem Kalkül über den Tisch ziehen. Bevor sie auf eine Regierungsbeteiligung verzichtet, opfert sie unter Umständen unsere EU-Mitgliedschaft, wenn auch nur unter vorgehaltener Hand. Die Partei stünde dann aber wohl auch vor dem Abgrund, weil die Wirtschaftsbünde in der Partei viel zu sagen haben und diese würden einem EU-Austritt nicht so ohne Weiteres zustimmen.

Unser Land wäre auf viele Jahre hinaus destabilisiert und wir müssten wohl mit noch größerem finanziellem Schaden rechnen als bei den beiden ersten Koalitionen zwischen der FPÖ und der ÖVP.

Eine Wahl Hofers würde somit meiner Meinung nach den Weg der FPÖ in die Regierung ebnen und er würde seine Position nutzen, um das gesellschaftliche Klima eindeutig Richtung rechts zu verändern.

Er ist ein überzeugter Deutschnationaler, gepaart mit seiner zur Schau getragenen Frömmigkeit ist das meiner Meinung nach eine der gefährlichsten Mischungen in der Politik. Wäre er wirklich Christ, könnte er vieles, was die FPÖ propagiert, niemals mittragen.

Wir hätten zwei Männer an der Spitze unseres Staates, die allen Ernstes mit der AfD, der NDP und anderen, teilweise vom Verfassungsschutz beobachteten, Gruppierungen zusammenarbeiten würden (die FPÖ tut dies jetzt schon ganz offiziell). Ein absolutes Horror-Szenario.

Ich hoffe, Van der Bellen gewinnt auch im Herbst die Wahl. Wir haben einmal gewonnen, ich hoffe auf einen nochmaligen Sieg. Es gilt jetzt, die Nichtwähler zu mobilisieren, die Hofer-Anhänger kann man nicht umstimmen. Das ist verlorene Liebesmühe, die Gräben zwischen den beiden Lagern sind auch zu groß.

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ScheiĂźe! Was wird nun passieren? Meinst du, dieser FPĂ–-Kerl hat eine realistische Chance?

Zunächst Ungarn dann Österreich!? Und dann Frankreich!? (Und Dänemark? Und Finland?..?)

Es sind verdammt dunkle Zeiten.

Ja, leider, Hofer hat sehr realistische Chancen. Ich hoffe dennoch, dass Van der Bellen gewinnt.

It was great to read this post! A win win situation.

Ich hoffe auch, dass “Van der Bellen” gewinnt. Dieser knappe Ausgang der Wahl und die jetzt notwendige Wiederholung machen einem Angst um Österreich, was ich persönlich sehr schade finde. Ich bin als Kind mit meinen Eltern mehrmals in Österreich gewesen und war in den letzten Jahren ein paar mal in Wien und fand es immer sehr schön.

Danke Robert, fĂĽr Deinen ausfĂĽhrlichen Bericht und Deine Sicht der Dinge. Ich bin da in vielem Deiner Meinung. Selbst in unserem kleinen Dorf leben nun ein paar dieser Menschen. Ich muss dabei oft an meine Mutter und ihre Familie denken, wie diese ihre Heimat, das Sudetenland, verlassen mussten und hierher kommen mussten. Auch sie haben dereinst Missgunst und Anfeindungen erfahren mĂĽssen. Da herrscht dann die Angst vor, die FlĂĽchtlinge (ja, so hieĂźen sie schon damals), wĂĽrden einem was weg nehmen.

Ich bewundere Dein Engagement in dieser Sache sehr und wie Du selbst daraus etwas positives ziehst. Da hast Du meinen Respekt. Ich habe selber überlegt, ob ich mich der hiesigen Gruppe anschließe, da ich aber immer noch auf meine Gesundheit achten muss, um nicht wieder krank zu werden, und durch Arbeit und familiäre Pflichten so belastet bin, dass ich ständig an meiner Grenze bin, habe ich mich nicht getraut. Viele der Helfenden hier sind Rentner und ich finde das sehr gut. Aber auch hier in unserem kleinen Dorf gibt es dann Leute, die dagegen hetzen, wie ich auf Facebook lesen konnte. Das macht einen traurig. Ich denke, das sind nicht immer die gebildeten Menschen, sondern oft Menschen, die mit ihrem eigenen Leben nicht zufrieden sind und nichts auf die Reihe bekommen.

Alles Gute fĂĽr Dich.

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@Veral. Liebe Vera, auch wenn Hofer gewinnt, was ich wirklich nicht hoffe, wird Österreich ein schönes Land mit vielen guten Menschen bleiben. Dennoch wird sich das gesellschaftliche Klima im Land im Falle seiner Wahl nicht zum Besseren ändern.

Gerade auf Grund unserer jüngsten Geschichte ist es wichtig, auch wenn manche das nicht gerne hören, dass wir bestimmten Gruppierungen, mögen sie auch noch so unschuldig und gut getarnt auftreten, keinen Einfluss in unserem gesellschaftlichen und insbesondere politischen System zugestehen.

In dieser Hinsicht ist schon seit der Wahl von Jörg Haider an die Spitze der FPÖ im Jahre 1986 und davor mit der wenig rühmlichen (um nicht zu sagen durch und durch beschämenden) Art der “Vergangenheitsbewältigung” unserer Republik viel Schaden angerichtet worden.

Ich habe Österreich in den letzten 14 Monaten von seiner schönsten, auch - in diesem Ausmaß unerwartet - solidarischen Seite erlebt und gleichzeitig feststellen müssen, dass es (noch immer) Kräfte in unserer Gesellschaft gibt, die nicht nur an den Grundfesten unserer Demokratie rütteln, sondern zutiefst menschenverachtend agieren - leider mit einem zuweilen beängstigenden Erfolg.

Was die Flüchtlingspolitik meines Heimatlandes anbelangt, so gibt es viel Licht, aber auch so manchen Schatten, wobei das Licht in erster Linie (zumindest meiner Auffassung nach) durch die Kraft der Zivilgesellschaft erstrahlt, während die Politik auf vielen Ebenen, wie in zahlreichen anderen Ländern, kläglich versagt.

Wenn sich die Flüchtlingssituation im Sommer wieder verschärfen sollte, wird das sicherlich Hofer in die Hände spielen.

Dabei vergessen all die Menschen, die gegen die FlĂĽchtlinge sind, dass wir mit unserer Freiwilligenarbeit auch ihnen einen Dienst erweisen.

Niemandem ist geholfen, wenn man nicht weiß, wer die Menschen sind, die zu uns gekommen sind. Erst durch den Kontakt mit ihnen, durch ihre Betreuung und dadurch, dass wir ihnen eine Möglichkeit geben, Teil unserer Gesellschaft zu werden, schaffen wir die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander.

Wenn wir die Menschen ignorieren und/oder sie offen ablehnen, schaffen wir gefährliche Parallel-Gesellschaften und machen sie interessant für Gruppierungen, die unserem Staat tatsächlich schaden wollen.

Wir sollten in dem Umstand, dass die Flüchtlinge bei uns sind, auch die vielen Chancen sehen, die sich uns und ihnen bieten. Diese so genannte Krise kann zum Guten gewendet werden. Vieles wurde bereits vorab verabsäumt, gerade auch auf gesamteuropäischer Ebene. Aber die Chance, dass daraus etwas wirklich Gutes entsteht, ist (noch) da.

Dennoch wird kein Weg daran vorbeiführen, auch als Einzelner, daran zu arbeiten, dass wir diese Herausforderung meistern. Dazu bedarf es nicht immer umfangreicher Anstrengungen, oft genügt ein Lächeln, eine kleine Hilfestellung im Alltag, ein Aufeinanderzugehen. Und wer dazu nicht bereit oder in der Lage ist, sollte zumindest nicht noch Öl ins Feuer gießen und das gesellschaftliche Klima weiter vergiften.

Das bedeutet nicht, dass Menschen nicht ihre Ängste und Sorgen äußern sollen. Auch ich bin nicht frei von solchen Sorgen, ganz und gar nicht. Aber es ist kein Ausdruck von Sorge, wenn man andere Menschen herabwürdigt oder dazu aufruft, dass gegen sie Gewalt angewendet wird.

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